Blick in die Gegenwart

Die Pfarrgemeinde Polletitz hält immer wieder ein Treffen ab, bei dem die ehemaligen Bewohner ihre Schul- und Kirchgangsfreundschaften pflegen. Außerdem wird dabei den Nachkommen das Wissen um den Heimatort und die schöne Landschaft rund um Polletitz vermittelt. Das Foto zeigt die Teilnehmer des jüngsten Treffens in Nürtingen (Baden-Württemberg).



Die Ortschaften und Weiler der Pfarrei Polletitz dienten den Panzern und Geschützen der Truppen aller Warschauer-Pakt-Staaten als Zielscheiben. Auf dem Gebiet zwischen der Ortschaft Stein im Süden, dem Markt Kalsching im Norden, dem Wallfahrtsort Gojau im Osten und Ogfolderhaid im Westen entstand nach dem Abtransport der Bevölkerung einer der größten Truppenübungsplätze in Böhmen. In der Zeitschrift "Hoam" Mai, Juni und Juli 2001 schildert ein tschechischer Offizier die Vernichtung der kompletten Infrastruktur, der Häuser, Kirchen, Schulen, der Einzelhöfe,die über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
"In endlosen Übungen scharfen Kampfes, im Anlegen von Schützengrä ben und in vielstündigen Märschen konnten wir diese Ansiedlungen Meter für Meter, Kilometer für Kilometer studieren. Der Dom der großartigen ungestörten Natur kontrastierte mit menschlicher Barbarei. Und wir mußten uns daran beteiligen. Was noch stand, wurde mit scharfem Schuß aus Panzerfäusten vernichtet - die Dächer der Hütten flogen bei den Explosionen hoch, und wie Regen kamen zerschlagene Eternitplatten, Holzschindeln und Teile von Dachpappe wie Flügel herunter. Wir sahen mit eigenen Augen die vernichtende Wirkung der Panzer, die Quer durch die Häuser hindurchfuhren, davon Teile einige zehn Meter mit sich nahmen und dann rundum verstreuten. "


Die Kirche Irgendwann nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam das Denkmalamt auf die Idee, die Kirche rot anmalen zu lassen, weil sie nach alten Aufzeichnungen eben rot gewesen sei.

Die Kirche während der Renovierung Die Kirche während der Renovierung: am Turmdach fehlen noch Ziegel, die Außenwände sind mit kyrillischen Buchstaben bemalt - von russsichen Soldaten, die sich hier verewigt haben.


"Um zum Fonds der nationalen Erneuerung beizutragen, wurden wir dazu verpflichtet, Pionierarbeiten auszuführen. Wo noch Mauerrreste standen wurde es unsere Aufgabe, diese abzutragen, das gewonnene Material zu reinigen und auf LKW´s zu verladen, ...von wo es bis in die Slowakei gelangte.
Auch heute sind große Teile des Geländes nicht zugänglich. Gegen Devisen dürfen seit der Wende in der Tsechoslowakei die deutsche Bundeswehr und Truppen anderer Staaten den Truppenübungsplatz weiterbenutzen. Die Kirche in Polletitz, eines der wenigen Gebäude , die beschädigt, aber dennoch stehen geblieben waren, kann nur nach Voranmeldung besucht werden. Das Dach wurde repariert, damit der Verfall durch von oben eindringende Nässe gestoppt wird. Die Außenfassade wurde rot gestrichen, dies soll nach alten Unterlagen die authentische Farbe sein.


Renovierung der Kirche Auch das Kircheninnere wird notdürftig hergerichtet - die Innenausstattung fehlt jedoch komplett.

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